Blick ins Labor: Wie ich die digitale Seite von Bread & Bot entwickelt habe
Bread & Bot ist ein Format aus meinem New Era Lab, in dem ich experimentiere, Neues ausprobiere, Umwege gehe und Ideen auch wieder verwerfe, wenn ich merke, dass sie nicht funktionieren.
Wie sich Bread & Bot bei der ersten Team Experience angefühlt hat, habe ich bereits erzählt. Hier möchte ich einen Blick hinter die Kulissen werfen: von der ursprünglichen Idee bis zur Entwicklung der digitalen Anwendung, die heute Teil des Formats ist.
Wie alles begann
Durch meine Arbeit mit generativer KI hatte ich plötzlich ein Werkzeug in der Hand, mit dem ich unterschiedliche Kompetenzen miteinander verbinden konnte: Creative Direction, Konzeptentwicklung, Technologie und die Arbeit mit Menschen.
Dabei interessiert mich KI nicht als Ersatz oder Beschleuniger. Spannend wird sie für mich dort, wo mit ihr etwas Neues entstehen kann.
Bei Bread & Bot wollte ich der Technologie deshalb bewusst etwas Analoges gegenüberstellen: etwas, das man mit den Händen macht, das entschleunigt und Menschen miteinander ins Gespräch bringt.
Ich backe selbst sehr gerne Brot. Für mich ist das fast meditativ. So entstand die Idee, Brot als Medium zu nutzen und daraus in Verbindung mit generativer KI eine andere Workshop Experience zu entwickeln.
Mit Jessica Stüer konnte ich schließlich die richtige Partnerin gewinnen, um das Konzept gemeinsam umzusetzen.
Die technische Ausgangsidee
Als die Idee für das Format stand, blieb eine Frage offen: Wie mache ich sichtbar, was bei einer Bread & Bot Team Experience entsteht?
Jede Person sollte mit Unterstützung von KI ein eigenes Brotrezept und eine persönliche Zukunftsvision entwickeln. Diese individuellen Ergebnisse sollten am Ende in einer gemeinsamen digitalen Galerie zusammenkommen.
Mir ging es dabei nicht nur um die Dokumentation. Die Galerie sollte die unterschiedlichen Ideen und Zukunftsbilder der Teilnehmenden zusammenführen und auch über den Workshop hinaus zugänglich machen.
Damit das funktioniert, braucht es im Hintergrund ein System, das Eingaben verarbeitet, Ergebnisse ablegt, zusammenführt und für die Teilnehmenden bereitstellt.
Genau hier beginnt die eigentliche Werkstattgeschichte.
Der erste Anlauf: Make
Mein erster Gedanke war ein klassischer Automatisierungs-Workflow mit Make.
Zu Beginn habe ich den gesamten Prozess skizziert: Welche Schritte braucht es? Welche Handlungsstränge laufen parallel? Wie muss ein Ordnersystem aussehen, damit am Ende nichts verloren geht?
Klassische Konzeptentwicklung also, nur eben für ein technisches System statt für ein Format.
Für diesen Weg hätte ich zusätzlich eine Benutzeroberfläche für die Teilnehmenden entwickeln und mit den technischen Abläufen im Hintergrund verbinden müssen.
Ich habe eine Weile in diese Richtung gedacht und geplant. Und dann gemerkt: Für dieses Vorhaben war es der falsche Weg.
Nicht, weil die Aufgabe zu komplex gewesen wäre, sondern weil die Lösung unnötig kompliziert geworden wäre. Zwei unterschiedliche Dinge, die man auseinanderhalten muss.
Der Wechsel: Vibecoding
Also habe ich den Ansatz gewechselt und die Lösung direkt mit Lovable gebaut.
Die Benutzeroberfläche und die Abläufe der einzelnen Stationen habe ich selbst per Vibecoding entwickelt, inklusive KI-gestützter Abfragen und eines eigenen Ablagesystems für die Ergebnisse.
Ganz ohne Herausforderungen war das nicht.
Während Make die einzelnen Prozessschritte und ihre Verknüpfungen übersichtlich abbildet, entsteht bei Lovable zunächst sehr schnell eine nutzbare Oberfläche. Die dahinterliegende Logik, die Ablage der Ergebnisse und die Anweisungen für die unterschiedlichen KI-Funktionen musste ich dafür selbst entwickeln und aufeinander abstimmen.
Beide Ansätze haben ihre Stärken. Bei Make hätte ich die Benutzeroberfläche zusätzlich entwickeln müssen. Mit Lovable konnte ich sie direkt gestalten und gleichzeitig die technischen Abläufe Schritt für Schritt aufbauen.
Für Bread & Bot war das der passendere Weg: schneller umsetzbar und mit einer Oberfläche, in der sich die Teilnehmenden ohne große Erklärung zurechtfinden.
So entstand die digitale Bread & Bot Anwendung mit den einzelnen KI-Stationen und der gemeinsamen Galerie, in der die Brotrezepte und Zukunftsvisionen der ersten Experience zusammenlaufen.
Was für mich KI-Souveränität in der Praxis bedeutet
Für mich ist dieser Entwicklungsprozess ein ziemlich konkretes Beispiel für KI-Souveränität in der Praxis: nicht an einem Tool oder einem einmal gewählten Lösungsweg festzuhalten, sondern immer wieder zu prüfen, was die eigentliche Aufgabe braucht.
In diesem Fall bedeutete das, einen bereits durchdachten Workflow wieder loszulassen und einen anderen Weg zu entwickeln.
Genau diese Haltung ist mir auch wichtig, wenn ich Menschen und Teams beim Einsatz generativer KI begleite: nicht vom Tool auszugehen, sondern von der Aufgabe und davon, was am Ende wirklich entstehen soll.
Mehr dazu gibt es bei Souverän mit KI.
Neugierig auf das Ergebnis?
In der digitalen Bread & Bot Galerie sind die Brotrezepte und Zukunftsvisionen der ersten Experience zu sehen.
Und wie sich Bread & Bot mit dreizehn Menschen im Co-Creation Loft Berlin tatsächlich angefühlt hat, erzähle ich im Artikel „Was passiert, wenn Sauerteig, Kunst und KI aufeinandertreffen?“.